Nichts als die Bohne

Vor 30 Jahren holten zwei Pioniere die SOJABOHNE nach Österreich. Ihr patentiertes Röstverfahren macht daraus einen bis heute unverwechselbaren Snack.

Ein bisschen Mais, ein wenig Weizen und anderes Getreide kultivierte die Familie Stava bis in die späten 1980er Jahre rund um ihren Hof in Bruck an der Leitha. Im Jahr 1986, viel früher als andere Bauern, stellten sie den gesamten Anbau auf biologische Landwirtschaft um. Und doch: Letztlich war es nicht diese Entscheidung alleine, die den in vierter Generation geführten Betrieb fit für das nächste Jahrtausend machen sollte.

Hart, aber nahrhaft

Als sich Herbert Stava nur ein Jahr später mit Johannes Strobl zusammentat, um in einem Anflug von Pioniergeist Sojabohnen in die Region Carnuntum zu holen, ernteten die beiden zunächst nichts als Skepsis. Sie hatten sich an die Erzählungen einer alten Dame aus der Gegend erinnert, die beteuerte, die Sojapflanze sei hier keineswegs unbekannt. Nach dem Krieg hätten die Amerikaner die Bohne containerweise ins Land geholt, weil sie besonders nahrhaft ist. Da die Einheimischen mit der harten rohen Frucht aber nichts anders anzufangen wussten, wurde sie einfach in der Pfanne geröstet.

Genau 30 Jahre später bekommt man diese Geschichte von Florian Kühbacher erzählt, aktuell Geschäftsführer von „Landgarten“. So nannten Stava und Strobl schon ihre ersten Versuche, mit gerösteten Sojabohnen eine gehaltvolle, gesunde Alternative zu fettigen Snacks anzubieten. Anfangs standen diese, wenn überhaupt, nur bei einigen Heurigen in der Region als Knabberei auf den Tischen. Nunmehr kümmern sich 40 Mitarbeiter darum, dass jährlich rund 1000 Tonnen Bio-Snacks – insgesamt werden schon bis zu 80 Sorten hergestellt – das Haus verlassen und in 35 Ländern Abnehmer finden. Aber die Grundidee ist bis heute dieselbe geblieben: Die Bohnen zum Knabbern werden in einem weltweit einzigartigen Verfahren geröstet.

Patentierte Prototypen

„Im September ist bei uns die Haupterntezeit für Sojabohnen“, erklärt Kühbacher. Mittlerweile liefern rund 40 Vertragslandwirte aus der Region Sojabohnen – ausschließlich in Bio-Qualität und ganz ohne jeglichen Einsatz von Gentechnik. „Landgarten“ versteht sich nicht mehr nur als Produzent, sondern längst auch als Kompetenzzentrum für das Wissen um die Kultivierung von Soja in Europa. In der Region Carnuntum wird seit ein paar Jahren schon so viel Soja angebaut, dass der Rohstoff sogar exportiert wird und unter anderem Verwendung bei der Herstellung von Tofu findet. 

„In Folge werden die Bohnen kurz eingeweicht, gekocht und als Ganzes in prototypischen Maschinen, auf die wir Patente angemeldet haben, geröstet“, beschreibt Kühbacher die nächsten Arbeitsschritte. Der Röstvorgang ist zwar ähnlich wie bei Kaffeebohnen, aber nicht identisch. „Wir achten darauf, dass der Rohstoff nicht anbrennt, um alle Nährstoffe und den Geschmack zu erhalten.“ Bei dieser Art des Röstens werden die Bohnen sehr schonend von heißer Luft umstrichen, Fette oder Öle kommen bei dem Vorgang gar nicht zum Einsatz. 

Bestens integriert

Wie vor fast drei Jahrzehnten beim Heurigen werden die gerösteten Sojabohnen bis heute ohne weitere Behandlung angeboten. Überdies stellt „Landgarten“ seit einigen Jahren auch dragierte, mit Schokolade umhüllte Varianten in Vollmilch-, Zartbitter- und weißer Schokolade her. In erster Linie arbeitet das Unternehmen dafür mit kleinen Kakao-Kooperativen an der Elfenbeinküste zusammen, die nach dem Fair-Trade-Standard zuliefern. Die Veredelung der weißen Schokolade geschieht sogar im Haus, „Landgarten“ experimentiert gerne mit Fruchtschokoladen wie etwa Erdbeere. „Vieles hat sich geändert, seit der Hof als belächelter Exote mit einem Ernteertrag von drei bis vier Tonnen pro Jahr begonnen hat“, meint Kühbacher. „Aber das Land um Carnuntum mit seinem milden Klima und den fruchtbaren Böden ist wie geschaffen für Soja.“ Tatsächlich scheint sich die asiatische Hülsenfrucht bestens in die heimische Snack-Landschaft integriert zu haben.

Info

Mehr über unseren regionalen Lieferanten erfahren Sie hier: www.merkurmarkt.at/bauernmarkt

Genusstipp

Florian Kühbacher schätzt den dezenten, unverwechselbaren Geschmack von Soja. Am besten kommt dieser im gerösteten Zustand der Bohne zur Geltung, die sich auch perfekt als Garnitur für jeden Salat eignet.