Eine wahre Wunderknolle

Raimund Artner baut im Burgenland seit 20 Jahren Knoblauch in Bio-Qualtiät an.

Um sich durch die internationale Fachliteratur ackern zu können, begann Raimund Artner, Spanisch zu lernen. „Auf Spanisch gibt es einfach am meisten über den Knoblauch nachzulesen“, sagt der Bio-Bauer aus dem burgenländischen Sigleß. Auf der Iberischen Halbinsel habe man schon in den frühen 1980er-Jahren damit begonnen, die uralte Kulturpflanze in großem Stil zu kultivieren. Und das kam Artner, der zu etwa jener Zeit die Wiener Universität für Bodenkultur besuchte, aber nicht abschloss, genau zupass.

Beikrautkontrolle mit GPS

Das enorme Wissen, das der Burgenländer in den letzten 30 Jahren über Knoblauch angesammelt hat, begann er 1998 umzusetzen. Rund um seinen Hof in Sigleß, wo er zusammen mit den Eltern, seiner Frau und zwei Söhnen lebt, wachsen auch Getreide und Bohnen, doch seine ganze Aufmerksamkeit gilt dem Knoblauch. Mit einer Anbaufläche von lediglich einem halben Hektar hat er 1998 begonnen, heute wachsen dort 25 Hektar dieser Pflanze, die zur Gattung Lauch gehört. Noch sitzt Raimund Artner auf seinem mit GPS ausgestatteten Traktor, braust über die Felder und kontrolliert, wo das Beikraut händisch in Schach gehalten werden muss, ehe die Ernte rund um den 10. Juni beginnt. 15 Mitarbeiter helfen ihm im Betrieb, und das ganzjährig – eine Seltenheit in landwirtschaftlichen Betrieben, die normalerweise nur Saisonarbeiter während der Erntezeit benötigen.

„Wir können Knoblauch in Bio-Qualität mittlerweile ganzjährig ausliefern, also gibt es immer etwas zu tun“, erklärt Artner. Dazu müssen die Knoblauchzwiebeln rund drei Wochen in Holzkisten getrocknet und danach richtig gelagert werden. „Es gibt aber schon einen Unterschied“, sagt er: „Jene Chargen, die wir bis Weihnachten ausliefern, und jene, die danach auf den Markt kommen.“ Erstere werden einfach nur bei geringer Luftfeuchtigkeit und 10 – 20 °C in einer Lagerhalle aufbewahrt, der Winterknoblauch muss zwischen -1 und +2 °C gekühlt gelagert werden.

Viel Handarbeit

Die Haupternte selbst dauert nur rund einen Monat und kann maschinell erfolgen, und dennoch bedeutet die Kultivierung in Bio-Qualität viel Arbeit. Vom Zerteilen des Pflanzguts über das Beikraut-Jäten bis hin zur Aufbereitung nach der Ernte muss alles händisch gemacht werden. Auch der Frischknoblauch, also der allererste Ertrag im Jahr, wird ausschließlich per Hand gepflückt. Und 25 Hektar Anbaufläche bedeuten keinesfalls ebenso viel Ertrag. 

Knoblauch ist eine wärmeliebende Pflanze und braucht während des Wachstums viel Wasser. Weil keine Pestizide eingesetzt werden, ist die Wahl der richtigen Böden beim Bio- Anbau enorm wichtig: Sie müssen bis in die Tiefe gelockert werden und sollten eben durch Gründüngung biologisch aktiv sein. Auch Schädlinge wie Nematoden oder Milben und Pilze oder Bakterien können den Knoblauch befallen. Aber weil der Bio-Bauer keinerlei chemische Pflanzenschutzmittel einsetzt, sind teilweise oder totale Ernteausfälle eben immer möglich.

Reisen für die Wunderknolle

Artner, der dem Knoblauch im Niederösterreichischen Gemüsefachverband quasi eine Stimme verleiht, ist sich der sensationellen Wirkung dieser Kulturpflanze sehr wohl bewusst: „Man weiß auch anderswo seit langem, etwa in der Traditionellen Chinesischen Medizin, welche Wirkung diese Heilpflanze haben kann.“ Knoblauch gilt als antibakteriell, entgiftend und wird heute auch gezielt als Mittel gegen Bluthochdruck eingesetzt. Um dieses Wissen um die „Wunderknolle“ permanent zu erweitern, reist der Bio-Bauer immer wieder zu Fachkongressen. Welches Potenzial der Pflanze zugeschrieben wird, lässt sich auch an der letzten Station Artners ablesen: „Anfang des Jahres war ich in der Nähe von Madrid, um mich ausschließlich über dieses tolle Gewächs auszutauschen.“ Auf dem bereits zweiten International Garlic Congress durften die Keynote-Speaker bestimmt auch mit Knoblauch-Fahne sprechen.

Info

Raimund Artner schätzt den intensiven Geschmack von Knoblauch und rät, unterschiedlichste pikante Gerichte mit frittierten Knoblauchzehen zu garnieren. Er selbst experimentiert zudem gerade mit dem Einlegen von ganzen Zehen in einer süß-sauren Basis, die dem Knoblauch die Schärfe nimmt.

Genusstipp

Raimund Artner schätzt den intensiven Geschmack von Knoblauch und rät, unterschiedlichste pikante Gerichte mit frittierten Knoblauchzehen zu garnieren. Er selbst experimentiert zudem gerade mit dem Einlegen von ganzen Zehen in einer süß-sauren Basis, die dem Knoblauch die Schärfe nimmt.