Summen-der Garant für Artenvielfalt

Unsere regionalen Produzenten im Porträt. Diesmal: Imker Johannes Mayr

1968 hat JOHANN MAYR die Bienen für sich entdeckt. Heute betreibt er auf seinem Vierkanthof in Pasching eine aufwändige Wanderimkerei. Durch seinen Honig unterstützt er nachhaltige Landwirtschaft und ein intaktes Ökosystem.

Johann Mayr spricht bedächtig über sein Volk, Müdigkeit liegt in der Stimme. Auch heute hat er nur drei Stunden geschlafen. Der Oberösterreicher hat gerade zahlreiche Bienenstöcke mit dem Kleintransporter von Pasching bei Linz ins Mühlviertel gebracht. Insekten, die nächtens gerne Auto fahren?

 

Wanderlustige Bienen

Mayr betreibt eine Wanderimkerei, und da ist es nun einmal notwendig, die Tiere samt ihren Stöcken zu sogenannten Wander-Bienenständen zu
verfrachten. Bienenvölker haben einen maximalen Flugumkreis von nur vier Kilometern. Weiter entfernte Blüten würden sich für die Tiere aufgrund
des hohen Zeit- und Kraftaufwands für die Erschließung nicht lohnen. Also chauffiert sie Mayr einfach dorthin, wo sich je nach Blütezeit unterschiedliche Honigsorten gewinnen lassen: für den Sommerblütenhonig in die Traunauen bei Linz, für seinen Cremehonig aus Obstblüten
bringen wir sie in Obstkulturen zur Bestäubung, für den Wald- und Blütenhonig zur Burg Clam. Nur der Akazienhonig macht ihm wirklich Sorgen. Dafür muss er über 200 Kilometer ins niederösterreichische Weinviertel fahren.

„Hier auf unserem Hof in Pasching haben wir keine Akazienblüten, also bringe ich meine Bienen dorthin, wo es welche gibt – um genau diese Sorte
zu gewinnen“, sagt er. Dabei variieren die Erträge von Jahr zu Jahr enorm. Einige Tonnen pro Jahr kommen über alle Sorten gerechnet schon zusammen. Aber wenn die Akazienblüte in Niederösterreich einmal durch Starkregen dezimiert wird, kehren seine Bienen mit geringen Erträgen zurück.

Dennoch ist die Wanderimkerei die einzige Methode, um unterschiedliche Honigsorten in bester Qualität verfügbar zu machen; aber für den Imker
eben mühselig, weil sie Nachtarbeit bedeutet, denn dann ist es kühler und somit stressfreier für die Bienen.

 

Summen auf dem Schulweg

Niemand in Mayrs Familie war zuvor Imker, und doch konnte sich Johann schon früh für den selten gewordenen Beruf begeistern. „Auf meinem Schulweg kam ich immer an Bienenstöcken vorbei und war fasziniert vom Summen der Tiere.“ Den großen Vierkanthof stellte er bereits 1989 von Ackerbau und Viehzucht auf eine reine Imkerei um – konsequenterweise nennt sich das Anwesen heute „Bienenhof“. Vollerwerbsimker zu sein, ist keine Selbstverständlichkeit mehr. In ganz Oberösterreich gibt es nur vier oder fünf Betriebe, die allein durch den Honig ihr Auslangen finden. Auf dem Paschinger Hof widmen sich auch Johanns Frau Christine und Sohn Fabian ganz dem Honig. Doch die Situation ist nicht so rosig, wie es vielleicht den Anschein hat.

 

Überlebens-Strategien

„Das vielzitierte Bienensterben gab es natürlich schon während meiner Kindheit, aber es hatte eine andere Qualität. Es kam immer vor, dass Imker ihre Völker nicht über den Winter brachten, doch heute muss man schon ein absoluter Spezialist sein, um deren Überleben zu garantieren“, sagt Mayr. Seit etwa 1989 beobachtet er vermehrt, wie die Varroamilbe die Bestände gefährdet. Zwanzig Jahre danach, also seit 2009, hat sich das Risiko für Bienenpopulationen weiter potenziert.

 

 

Pestizide auf den umliegenden Feldern richten große Schäden an, sie schwächen das sensible Immunsystem der Bienen. Mittlerweile gibt es zwar eine EU-Verordnung, die den Einsatz einschränkt, aber nur für wenige Pflanzensorten, erklärt Mayr. „Somit ist die Verordnung zahnlos“, sagt er.Dabei weiß der Profi, der auch im Österreichischen Erwerbsimkerbund sitzt, wie wichtig Bienen für das gesamte Ökosystem sind.

 

Brave Arbeiterinnen

„Ich spreche oft mit Bauern in der Umgebung. Alle haben erkannt, dass ihre Ernteerträge radikal zurückgehen, wenn die Bienen ausbleiben“, so Mayr. Unter allen Bestäubern spielt die Honigbiene die größte Rolle: Fast 80 Prozent aller Nutzund Wildpflanzen werden von der sogenannten Westlichen Honigbiene bestäubt. Die restlichen 20 Prozent gehen auf das Konto von Hummeln, Fliegen, Wildbienenarten, Schmetterlingen
und anderen Insekten. Diese sind im Vergleich zu Bienen aber oftmals sehr spezialisiert und arbeiten daher langsamer. Die Bestäubungsleistung
der Bienen sichert die Vielfalt an Nahrungsmitteln und ist demnach der wichtigste Garant für nachhaltige Landwirtschaft und ökologische Artenvielfalt. Und damit auch für uns Menschen lebenswichtig.

 

Initiativ als Imker

„Wenn die Leute über die Bedrohung der Umwelt reden, haben sie absolut recht, es besteht großer Handlungsbedarf“, weiß Mayr. Ob er denn als Imker dann nicht sehr glücklich ist über die vielen Initiativen zur Rettung der Bienen? „Das muss man differenzierter sehen. Die Biene genießt unter den Menschen hohe Sympathiewerte, und das Bienensterben ist zu einem Schlagwort geworden. Mittlerweile werden auch Privatpersonen zum Kauf von Stöcken animiert, damit sie daheim Bienen retten können. Aber die Imkerei ist zu komplex geworden, als dass man ein Volk so einfach betreut“, meint Mayr. Dennoch sieht er es als wichtig an, dass es vermehrt Initiativen zum Schutz der Bienen gibt. „Ich denke nur nach so vielen Jahren der Berufsimkerei, dass die Initiativen eine gewisse Mindestgröße und auch Kompetenz haben müssen, um erfolgreich zu sein. Wenn Imker etwa mit Landesverbänden oder Handelsketten zusammenarbeiten, kann das schon etwas bewirken.

 

Bienen-Initiativen in Österreich:

Gemeinsam an Morgen denken

Mitarbeiter der REWE Group besiedeln das Bürodach mit Bienenvölkern und verwandeln ganz im Sinne von Blühendes Österreich eine Brachfläche in eine bunte Blüh- und Futterwiese. Mehr über das Bienenleben und der Arbeit unserer Imker unter www.gemeinsam-nachhaltig.at

Das Österreichische Bienengesundheitsprogramm (ÖBGP)

Mit diesem Programm der österreichischen Bundesregierung wird bis 2018 ein wirksames und effizientes Bienengesundheitsprogramm zum Bienenschutz entwickelt und umgesetzt.

Varroamilben-Warndienst

Demnächst startet das Projekt „Varroawarndienst“ der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), das vom Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI), dem Landwirtschaftsministerium (BMLFUW) und dem Imkerdachverband Biene Österreich maßgeblich unterstützt wird. www.warndienst.at