Regionalität: Konzentrierte Natur aus dem Waldviertel

Der ehemalige Versicherungsfachmann Michael Priessnitz macht in Schiltern bei Langenlois natürlichen Sirup aus Blüten und Kräutern.

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Michael Priessnitz gewinnt Sirup-Rohstoffe wie Holunder händisch in Wildsammlung. In seiner Manufaktur werden die Blüten und Kräuter noch einmal einer Qualitätskontrolle unterzogen. Alle Sorten werden bei 85 °C pasteurisiert und sofort in Flaschen gefüllt – Konservierungsstoffe sind daher unnötig.

Sirupe von green sheep, div. Sorten, 500 ml 7,99 Euro bei MERKUR in Wien und Niederösterreich.

Es war die goldene Ära der Versicherungsbranche, als Michael Priessnitz mit seinem damaligen Arbeitgeber einen Betriebsausflug in die Provence unternahm. Noch Jahre später sollte er sich an die ausgesprochen lockere Atmosphäre bei der Reise im Jahr 1995 erinnern – und an einen ganz bestimmten Drink, den man ihm dort kredenzte: einen alkoholfreien Cocktail mit dem Geschmack von frischem Lavendel. Heute stellt Priessnitz selbst 15 Sorten feiner Blüten- und Kräutersirupe her, darunter einen mit seinem bevorzugten Aroma Lavendel.

Neue Karriere ohne Rückversicherung

Begonnen hat der Vertriebsprofi mit einem einzigen Tapeziertisch auf dem Bauernmarkt in Purkersdorf. Dort gab es 2011 seine ersten Flaschen Bio-Lavendelsirup zu kaufen. Dabei war der Umstieg von der Karriere als Versicherungsfachmann zum Hersteller feinster Essenzen gar nicht einfach. „Es gibt leider bis heute keine Stelle für Start-ups im Bereich der Lebensmitteltechnik, wo man sich über die Notwendigkeiten und Tücken der Branche informieren könnte“, kritisiert er. Was zum Beispiel nötig ist, um die europaweit gültige Bio-Zertifizierung zu erhalten, die seine Produkte mittlerweile tragen, lässt sich nur mit großem Aufwand herausfinden. „Und was die Fertigkeiten in der Lebensmitteltechnik betrifft – da bin ich kompletter Autodidakt“, erzählt er. Zum Glück war die Namensfindung für seine Produktlinie nicht ganz so mühsam.

Viele Schafe ziehen ins Schloss

Den Namen „green sheep“ für seine Produktlinie hat Priessnitz damals nach einem Urlaub in Südengland ausgewählt. Die ruhig grasenden Schafe in der bukolischen Hügellandschaft der Britischen Inseln haben ihn dazu inspiriert. Extra darauf hinweisen, dass es sich um „grüne“, also reine Bio-Ware handelt, wollte er natürlich auch. Mit dem Schloss Schiltern bei Langenlois fand sich recht bald eine ansprechende Produktionsstätte, die noch dazu einen unschätzbaren Vorteil bietet: Auf dem Areal des Anwesens befindet sich unter anderem eine Landwirtschaft, mit der Priessnitz intensiv bei der Produktion zusammenarbeitet. 

 

Die Rohstoffe für seine Sirupe wachsen quasi vor der Haustür – auch ein wenig Lavendel. Alle Kräuter und Blüten, die er nicht in ausreichendem Maße selbst kultivieren kann, kommen von bio-zertifizierten Zulieferern aus Österreich. Und gar nicht so wenige Rohstoffe, wie etwa die Holunderblüten, werden in Wildsammlung zusammengetragen.

Im Kochtopf gekühlt

Wer den green sheep Lavendelsirupprobiert, wird bemerken, wie intensivdas pflanzliche Aroma zur Geltungkommt, ohne dass sich die Süße desZuckers zu sehr in den Vordergrunddrängt. Der Grund dafür liegt in derschonenden Methode der Herstellung.Zuerst werden die Lavendelblüten ineinem rund 300 Liter fassenden Kochtopfmit kaltem Quellwasser und mitgeringen Mengen Rohzucker angesetzt.Dazu kommen nur noch derSaft von Bio-Zitronen und ein wenig Zitronensäure. Das Ganze wird zusätzlich gekühlt und bleibt zwei Tage stehen. Danach wird der Saft zweifach gefiltert, bei rund 85 °C pasteurisiert und sofort in die Flaschen abgefüllt. Der Rohrzucker und das beim Abfüllen entstehende Vakuum genügen, dass der Sirup zwei Jahre haltbar bleibt, zusätzliche Konservierungsstoffe sind nicht nötig. „Es freut uns natürlich außerordentlich, dass die Sirupe durch dieses Verfahren deutlich weniger Zucker enthalten“, sagt Priessnitz.

Pflücken und Zupfen

Als er das erzählt, herrscht draußen Hochbetrieb. Schon in einem normalen Jahr ist der späte Frühling jene Zeit, zu der ein Siruphersteller überall pflücken und zupfen muss. Heuer ist die Situation aber noch verschärft: „Nach dem sehr strengen Winter mit langen Frösten ist alles explosionsartig aufgeblüht – wir wissen gar nicht, wo wir zuerst anpacken sollen“, stöhnt Priessnitz. Wer denkt, dass es dafür im Winter im Betrieb umso ruhiger zugehen muss, der irrt. Seit dort ein Verfahren zur schonenden Trocknung von Kräutern eingesetzt wird, kann ganzjährig produziert werden. „Getrocknete Kräuter haben sogar einen Vorteil gegenüber frischen – die ätherischen Öle kommen dann viel besser zur Geltung“, erklärt Priessnitz. In der Freizeit unterscheidet er nicht mehr zwischen Hobby und Beruf: „Wer hat schon das Glück, etwas machen zu dürfen, das so viel Freude bereitet wie meine Arbeit!“

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