Regionalität: Die Bio-Hokkaido-Insel im Seewinkel

Josef Fleischhacker baut im burgenländischen Seewinkel Bio-Hokkaido-Kürbisse an.

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Josef Fleischhacker baut im burgenländischen Seewinkel Bio-Hokkaido-Kürbisse an. Nach der Ernte werden die Kürbisse nur abgebürstet und nicht gewaschen. Dadurch bleiben die Hokkaidos trocken und können lange gelagert werden. Die Ja! Natürlich Bio-Hokkaidos gibt es österreichweit bei MERKUR.

Josef Fleischhacker ist Bauer in Pamhagen, seit er denken kann. Anfang der 2000er-Jahre hat er komplett auf Bio-Produktion umgestellt und baut seit rund 10 Jahren knackige Kürbisse an.

Josef Fleischhacker macht einen Rundgang auf seinen 40 Hektar Anbaufläche im burgenländischen Seewinkel nahe der Grenze zu Ungarn. Die Zucchini sind reif und werden geerntet, und auch die rot-orange leuchtenden Hokkaido-Kürbisse, denen er 4 Hektar zugedacht hat, brauchen nicht mehr lang: Spätestens Ende August könnte er seine drei bis vier Erntehelfer kontaktieren, um die kopfgroßen Früchte einzuholen. Das Klima rund um seinen mehr als 100 Jahre alten Hof in Pamhagen gilt als äußerst begünstigt, der Hokkaido wird früher reif als auf der namensgebenden japanischen Insel.

Jedes Jahr etwas Anderes

Schon als 17-Jähriger hat Fleischhacker den Hof von seinem Vater übernommen, nachdem dieser verstorben war. Lange Zeit baute er Gemüse auf konventionelle Weise an und gefährdete seine Gesundheit nicht nur durch die harte Arbeit, sondern auch durch Herbizide. „Irgendwann ging gar nichts mehr, ich wurde richtig krank durch das viele Gift. Also beschloss ich Anfang der 2000er-Jahre, komplett auf Bio-Landwirtschaft umzustellen“, erzählt er. Aber nicht nur das. Seither hält sich der Landwirt auch streng an eine Fruchtfolge auf seinen Feldern. Jedes Jahr wächst etwas anderes auf den Äckern, damit der Boden nicht zu sehr ausgelaugt wird. Senfpflanzen oder Luzerne folgen zum Beispiel auf den Kürbis, wodurch sich die Erde wieder gut erholen kann. Und zu Feldern anderer Bauern, auf denen noch „gespritzt“ wird, hält er seither einen großen Sicherheitsabstand. Wie er überhaupt auf den Hokkaido-Kürbis gekommen ist, den einst die Portugiesen nach Japan brachten, bis er im 20. Jahrhundert wieder den Weg zurück nach Europa fand? „Ich hab da etwas im Fernsehen gesehen über andere Bio- Bauern, die ihn schon sehr erfolgreich in Österreich angebaut haben“, sagt er. Also besorgte er sich zehn Pflänzchen und probierte einfach aus, ob sich dieser Kürbis in Pamhagen wohlfühlen würde.

 

Nicht zu früh, nicht zu groß

Fad wird Fleischhacker nicht, nur weil er den Hokkaido so spät wie möglich im Jahr erntet. Neben Zucchini baut er auch Getreide und 10 Hektar Weintrauben an, die er allerdings nicht selbst zu Wein verarbeitet, sondern an Winzer in der Umgebung verkauft. Wenn es dann endlich so weit ist, muss er auf viele Dinge achten: Die Kürbisse dürfen nicht zu groß sein, er spricht von einem Erntegewicht von maximal 1,2 Kilogramm, weil sie die Leute, die sie dann im Supermarkt kaufen, sonst nicht auf einmal verarbeiten können und nicht in den Kühlschrank bringen. Auch der Stiel muss dranbleiben. Das verhindert zum einen, dass das Fruchtfleisch fault und, wie er sagt: „Die Leute wollen auch aus optischen Gründen die ganze Frucht. Sie sind daran gewöhnt, dass ein Kürbis immer einen Stiel hat.“ Wenn dann die Früchte allesamt per Hand abgezwickt werden, entscheiden die Erntehelfer noch auf dem Feld: Zu große Kürbisse oder solche, die im Herbstregen vielleicht schon ein wenig faul geworden sind, bleiben einfach liegen. Für den Acker ist das ideal: Die Kürbisse verrotten langsam und geben einen perfekten Dünger ab. Bevor sie vom Feld direkt in den Supermarkt kommen, wird die essbare Schale noch abgebürstet. „Sie mit Wasser abzuwaschen, wäre eine schlechte Idee. Auch dann können die Früchte noch faulen“, erklärt Fleischhacker. Das soll freilich vermieden werden, denn der Hokkaido-Kürbis ist gut lagerfähig und die knackige Konsistenz des Fruchtfleisches bleibt lange erhalten.

Selbstversuch mit Ananas

Fragt man Fleischhacker nach seiner Freizeit, reagiert er darauf, als handle es sich um ein Fremdwort. „Mein Hobby?“, fragt er nach und ergänzt: „Dinge auf dem Hof auszuprobieren! Neulich habe ich mir eine Ananas gekauft und sie zum Austreiben gebracht.“ Das bevorzugte pannonische Klima und er scheinen in der Tat gute Freunde zu sein. Denn tatsächlich sprießt und gedeiht die Ananas bereits in Sichtweite zum Neusiedler See. Vielleicht wird Fleischhacker ja demnächst nicht nur ein Stück Japan, sondern sogar tropische Früchte im Burgenland kultivieren können.