Regionalität: Chicorée aus dem Burgenland

Seit Kurzem wird im Burgenland Chicorée für den heimischen Markt kultiviert. Das Gemüse gilt als äußerst gesund, was sich hierzulande noch zu wenig herumgesprochen hat.

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Seit Kurzem wird im Burgenland Chicorée für den heimischen Markt kultiviert. Das Gemüse gilt als äußerst gesund, was sich hierzulande noch zu wenig herumgesprochen hat.

Schon erstaunlich, dass in Österreich bis vor Kurzem niemand versucht hat, eine Pflanze anzubauen, die auf den ersten Blick sehr genügsam ist: Sie benötigt nur ein wenig Wasser, die richtige Temperatur und absolute Dunkelheit. Ist sie erst einmal reif, enthält sie äußerst wenig Kalorien, dafür umso mehr Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Die Rede ist vom Chicorée, einer Unterart der Gemeinen Wegwarte, der eine Rübe und eine direkt am Boden aufliegende Blattrosette ausbildet. Die Blätter verfügen über einen typischen, fein nussigen bis zartbitteren Geschmack und sind äußerst knackig.

EINE CHANCE FÜR DEN CHICORÉE

Erst vor rund drei Jahren gab es hierzulande die ersten Versuche, Chicorée zu kultivieren. Zum selben Zeitpunkt stellte Familie Klimesch Nachforschungen zu diesem Gemüse an: welche Voraussetzungen für den regionalen Anbau nötig seien und ob es in Österreich überhaupt Nachfrage gebe. Klimesch und die Mitarbeiter des Unternehmens in Heiligenkreuz im Südburgenland kamen zu dem Schluss, dass man dem Gewächs ruhig eine Chance geben könnte. Doch die Anforderungen für den Anbau sind dann doch etwas höher als gedacht: Chicorée wird grundsätzlich im Mai ausgesät, im Oktober können die Wurzeln geerntet werden. Dafür kommen sie in spezielle Treibräume, wo sie in völliger Dunkelheit in Kisten gedeihen. Das Fehlen von Tageslicht ist nötig, damit der Chicorée nicht zu viele Bitterstoffe und kein Chlorophyll, also Blattgrün, entwickelt. Nach der Ernte werden die Wurzeln tiefgekühlt, wodurch sie bis zu 1 Jahr halten. Wichtig ist, dass der Chicorée nach der Ernte sofort unter UV-Schutz-Folie gepackt wird, damit die Blätter nicht bitter werden. Noch ist die Nachfrage für Chicorée hierzulande relativ gering. In Frankreich dagegen gehört das Gemüse, gekocht oder überbacken, fix auf den Speiseplan. Bis zu 5 Kilogramm jährlich werden dort pro Kopf verzehrt.

UNIVERSELL UND GESUND

Dem Chicorée werden viele gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt. So enthält das Gemüse besonders viele Antioxidantien, die als effektive Vorbeugung für Herz-Kreislauf- Erkrankungen gelten. Die Bitterstoffe wiederum sollen sich positiv auf die Tätigkeit der Leber auswirken und manche Mineralstoffe auf Blut und Muskeln. Hervorzuheben ist auch die gute Verträglichkeit des Lebensmittels unter Diabetikern oder Rheumatikern. Die Verarbeitungsmöglichkeiten der Blätter sind mannigfaltig: Chicorée kann gegrillt, gebraten, gedünstet oder überbacken werden, auch als Salat – etwa mit Blauschimmelkäse und Mandarinen – schmeckt er hervorragend. Beeindruckend ist zudem, wie vielseitig sich die Wurzel weiterverarbeiten lässt: Relativ bekannt ist die Verwendung als Kaffeeersatz, doch auch Kunststoff wird aus der Wurzel hergestellt.

Überbackener Chicorée

für etwa 2-3 Portionen

500 g Chicorée, 125 ml Milch, 125 ml Wasser, Salz, je 50 g gekochter Schinken und Gouda in Scheiben, 20 g Butter für die Auflaufform

Chicorée waschen und Strunk entfernen, in eine Pfanne legen, mit Milch- Wasser-Gemisch übergießen und salzen. Langsam erhitzen und rund 25 Min. dünsten. Backofen auf 200 °C (Ober- / Unterhitze) vorheizen. Chicorée gut abtropfen lassen, mit Schinken und Käse umwickeln und in eine gefettete Auflaufform legen. Überbacken, bis der Käse schmilzt.

Pro-Kopf-Konsum von Chicorée/Jahr

Frankreich: 5 kg

Belgien: 4 kg

Niederland: 3,5 kg

Schweiz: 2,5 kg

Deutschland: 350 g

Österreich: <100 g (Annahme)