Regionalität: Milchproduzent Steinmaurerhof

Regionalität: Milchproduzent Steinmaurerhof

Seit 20 Jahren spielt Richard Pichler mit dem Gedanken, beste Milch vom Bauernhof aus dem Automaten anzubieten. Nun hat der Landwirt aus Lichtenegg seine ersten beiden Zapfsäulen für pasteurisierte Vollmilch in zwei niederösterreichischen MERKUR Märkten aufgestellt.

Richard Pichler hatte keinen einfa­chen Start ins Berufsleben. Mit gerade einmal 20 Jahren, kurz nachdem er seinen Präsenzdienst beim Bundesheer beendet hatte, übernahm er 1997 den elterlichen Hof in Lichtenegg. Sein Vater ist früh verstorben und hinter­ließ ihm und seiner Frau Johanna eine Lebensaufgabe: Der Steinmaurerhof in der niederösterreichischen Buckligen Welt existiert seit 1718, ist seit 300 Jah­ren ununterbrochen im Besitz dersel­ben Familie und fordert vollen Einsatz. Neben der Viehwirtschaft betreiben die Pichlers auch Ackerbau und vor allem im Winter Forstwirtschaft. Doch eine Idee ließ ihn seit seinen Tagen als Präsenzdiener nicht mehr in Ruhe.

FRISCHE MILCH VERMISST

„Jedes Mal, wenn ich von der Kaserne durch Wiener Neustadt fuhr, vermisste ich etwas: richtig gute Milch. Ich fragte mich, warum es keine Automaten gibt, an denen man täglich frische Milch vom Bauernhof zapfen kann.“ Vorerst blieb es bei der Idee, denn Richard Pichler hatte auf dem Hof alle Hän­de voll zu tun. Er musste 41 Jahre alt werden, bis er seinen Plan in die Tat umsetzen konnte: Gerade wurden in den Märkten in Wiener Neustadt und in Brunn am Gebirge zwei Automaten mit Milch von seinem Hof aufgestellt. Pichler hatte ähnliche Systeme zwar bereits in anderen Städten kennengelernt, doch keine Umsetzung über­zeugte ihn wirklich. „Wenn die Auto­maten im Freien aufgestellt werden, gibt es Probleme mit Vandalismus und mit der Hygiene. Auch das Pfandsys­tem ist umständlich zu organisieren.“

TRINKFERTIG IN DEN MARKT

Die Automaten eines bayerischen Herstellers, die Pichler nun einsetzt, sind dagegen äußerst praktisch. Sie bestehen im Wesentlichen aus je einem mobilen 200 ­Liter­ Tank, der zugleich der Automat ist. Darin befindet sich die Abendmilch von seinem Hof, die für 20 Sekunden zwischen 72,5 und 75 °C pasteurisiert, auf 4 °C abgekühlt und dann trinkfertig frühmorgens in die Märkte gebracht wird. Zum Ab­füllen kann man entweder eine kleine Milchkanne benützen oder passende Flaschen, die einmal gekauft und wie­derverwendet werden. Bezahlt wird an einem selbsterklärenden Terminal mit Münzen, Scheinen oder kontaktlos per Karte. So wie der Steinmaurerhof heute
aufgestellt ist, kann Pichler täglich beste Milch für die Automaten liefern. Das gesamte Futter für die rund
60 Kühe stammt von seinem Hof. Die Tiere bekommen hauptsächlich Klee­gras, Luzerne sowie Wintergerste und ­roggen zu fressen, auf die Zufütterung von Soja hat er bewusst verzichtet. Ein Stall, der den Tieren viel Bewegung ermöglicht und die schonende Geburt der Kälber ist wichtig. „Trennt man die Kühe zu früh von den Kälbern, verursacht das Stress. Bleiben sie zu lange bei den Muttertieren, ist das aber genauso stressig und die Kühe lassen sich nicht melken.“ Pichler hat daher viel Zeit darin investiert, einen guten Moment für die Trennung von Mutter­ und Jungtieren zu finden. Von den vier Kindern der Pichlers scheint sich der elfjährige David schon für die Kühe zu interessieren. Auf dem Hof gibt
es derzeit das typisch österreichische braune Fleckvieh und die schwarz­ weißen Holstein­Friesian, die für ihre hohe Milchleistung weltweit bekannt sind. „David findet, dass das etwas dickere Fleckvieh besser zu uns und in unsere Gegend passt. Wenn es nach ihm geht, werden wir in Zukunft nur mehr diese Kühe haben“, sagt Pichler. GESUNDER KREISLAUF Auf die hohe Qualität der Milch hätte so eine Entscheidung keinen Einfluss. „Eine Kreislaufwirtschaft mit gesunden Rindern, die mit hofeigenem Futter tiergerecht ernährt werden können, der durch Generationen erhaltene fruchtbare Boden und der Erhalt des sauberen Trinkwassers sind die wich­tigsten Güter eines Bauern. Diese Dinge stehen im Vordergrund“, so der Schluss von Richard Pichler.