Regionalität

Lebkuchen galten als Überlebenskuchen auf dem langen Heimweg der Pilger. Heutzutage muss man bloß nach St. Wolfgang wandern, um in den Genuss der verzierten Köstlichkeiten zu kommen.

Lebkuchen sind ein Geschenk, eine Aufmunterung, ein Geschmackserlebnis. Die kleinen und großen Kunstwerke in der Hand zu halten, die nach Honig und Gewürzen duften und mit viel Liebe und Geschick verziert wurden, machen aus ihnen so etwas wie magische „Überlebenskuchen“. Und das längst nicht mehr nur in der Vorweihnachtszeit. „Überlebenskuchen“ waren sie schon früher, als sich im 14. Jahrhundert Pilger aufmachten, um in die großen Pilgerstätten Rom, Aachen und St. Wolfgang zu marschieren. Im damaligen Gasthaus der Familie Gandl kehrten sie ein, kamen wieder zu Kräften und nahmen die Lebkuchen als Proviant auf ihren Heimweg mit. Besonders haltbare Lebensmittel machten die langen Fußmärsche leichter. Ihre Beliebtheit ist seither ungebrochen. „An den Rezepten wurde natürlich gefeilt“, erzählt Fritz Gandl, der zusammen mit seiner Frau Barbara eine der berühmtesten Lebkuchenmanufakturen führt. „Ja, es ist schon etwas Besonderes, einen Betrieb zu leiten, der über 200 Jahre alt ist“, sagt er stolz. Seit 1806 befindet sich die Bäckerei & Konditorei Gandl in Familienbesitz und ist längst eine Institution in dem verträumten Örtchen am Wolfgangsee.

GEHEIME REZEPTE

Natürlich hat jeder Lebküchner seine eigenen, streng gehüteten Rezepte, die nur innerhalb der Familie weitergegeben werden. Doch eines kann Fritz Gandl verraten: Eine der wichtigsten Zutaten ist Zeit. Eine andere Geduld. Denn der Grundteig aus Honig und Mehl braucht Monate, um zu reifen. „Erst den Honig warm machen, dann das Mehl dazu und danach den Teig zwei Monate reifen lassen. Dann erst kommen die Gewürze“, sagt Fritz Gandl. Bei der gewissenhaften Verarbeitung ist es kein Wunder, dass die Lebkuchen 6 Monate haltbar bleiben. Das Rezept für den Grundteig verrät er auf lebkuchen-gandl.com, wer Tipps für die Kunst des Verzierens möchte, kommt am besten in die Schaubackstube. Anmelden nicht vergessen!

ECHTE LIEBHABEREI

Seit über zwei Jahrzehnten haben Fritz und Barbara Gandl den Ruf der Lebzelterei weiter ausgebaut, haben sich einen Namen gemacht, auf Qualität gesetzt und jede Menge Spezialitäten kreiert. 25 verschiedene Sorten Lebkuchen gibt es, allen voran die Wolfganger Nussschnitte, die Gandl Schokowürfel oder die beliebten Orangenlebkuchen. Die Lebzelterei Gandl verarbeitet pro Woche an die 300 – 400 kg Teig. „Das ist wie beim Schweinsbraten. Je größer das Stück, desto besser der Geschmack.“ Kreative Ideen, die Lebkuchen zu gestalten, gehen den Meistern bei Gandl anscheinend nie aus. „Wir probieren immer wieder gerne etwas Neues aus“, sagt Fritz Gandl. Die Qualität der Lebkuchen ist und bleibt aber das Wichtigste. Naturbelassene Zutaten, schonende Verarbeitung und die lange Teigruhe machen den unverwechselbaren Geschmack aus. „Wir haben eigene Imker, von denen wir den Honig beziehen, und auch das Mehl kommt aus einer Mühle aus der Umgebung.“ Ein Tipp zum Genießen: Honiglebkuchen schmeckt besonders gut mit Blauschimmelkäse und einem Glas Dessert- oder Portwein.

Gewusst:

Seit über zwölf Generationen ist die Lebzelterei Gandl in St. Wolfgang in Familienbesitz. Was seither hochgehalten wird, ist die Liebe zum Handwerk, das Wissen um die beste Rezeptur und die Vielfalt, die jeden Lebkuchen zu etwas Besonderem macht.

SO BLEIBEN LEBKUCHEN WEICH

Ist der Lebkuchen doch einmal hart geworden, einfach in ein verschließbares Gefäß legen, einige frisch geschnittene Apfelscheiben dazugeben und das Gefäß mit Plastikfolie und Gummiband abdichten. Die Feuchtigkeit aus den Apfelscheiben wird aufgenommen und der Lebkuchen ist nach einigen Tagen wieder weich. Dann die Apfelscheiben wieder entfernen, da es sonst zu Schimmelbildung kommen kann.